Interview mit Dr. Georg Wagener-Lohse zur Rolle von Holzgas-KWK-Anlagen beim kommunalen Wechsel zur Erneuerbaren Wärme.

Herr Dr. Wagener-Lohse, Sie sehen die Zukunft von Holzgas-KWK-Anlagen vor allem in der Nutzung durch kommunale Stadtwerke. Wieso passen Holzgas und Stadtwerke so gut zusammen?
 
Gasversorgung statt Öl-Einzelheizungen bietet für den Klimaschutz einen Vorteil von rund 20% CO2-Minderung. Das ist gut, Deutschland will aber im Gebäudebereich bis 2030 bereits 40% CO2-Minderung erreichen. Mit Holzgas könnten Kommunen durch die gekoppelte Wärme- und Stromerzeugung sowohl Klimaschutz als auch mehr dezentrale Versorgungssicherheit bei sonst fluktuierenden PV- und Windstromeinspeisungen erreichen. Zudem können sie mit der Hilfe von Wärmenetzen den Klimaschutz für viele Wohn- und Gewerbegebäude auf einmal möglich machen.

Aber Holz wird doch schon zur Energieversorgung eingesetzt – vor allem in Verbrennungsanlagen.


Restholz ist zu schade, um es in Einzelöfen oder gar in Kaminen einfach nur zu verbrennen. In KWK-Anlagen kann es mehr für den Klimaschutz leisten. Damit können Holzgas-KWK-Anlagen durch die Einspeisung in Wärmenetze die Erfüllung der kommunalen Klimaschutzverpflichtungen unterstützen. Und vor allem können dann auch Mieter in Geschosswohnungsbauten das gute Gefühl haben, am Klimaschutz beteiligt zu sein.
 
Als Vorsitzender der FEE setzen Sie sich für eine Erhöhung des KWK-Bonus ein. Wie könnten Hersteller und Betreiber von einer Erhöhung profitieren?


In der Vergangenheit lag der Fokus auf der Erneuerbaren Stromerzeugung mit dem EEG als Steuerungsinstrument. Energiewirtschaftliche Entwicklungen für eine sichere Versorgung von Wärme und Strom wurden damit aber nicht angestoßen. Der Strom wurde immer billiger und die kommunalen KWK-Anlagen, die für die sichere Strom- und Wärmeversorgung gebraucht werden, waren kaum noch im Wettbewerb zu betreiben. Der KWK-Bonus hat das etwas ausgleichen können, aber er hat bisher vor allem der Gaswirtschaft genutzt.
 
Jetzt gilt es, KWK neu zu denken?


Wir bemühen uns schon seit einigen Jahren, dass mit der Stärkung der KWK auch endlich der Klimaschutz verstärkt in den Blick kommt. Gas-KWK reicht für die 2030-Ziele nicht mehr aus. Mit der Ausschreibung für innovative KWK hat das BMWi erstmalig den Weg gewiesen, dass der Kombination von KWK und Erneuerbaren Energien die Zukunft gehört. Mit einem Wärmebonus für erneuerbare Wärme in KWK gespeisten Netzen soll das jetzt verbreitert werden. Mit 4-5 Ct/kWh – je nach Anlagengröße – könnten auch Holzgasanlagen in solchen Netzen wirtschaftlich betrieben werden.
 
Die Teilnehmer der Anwenderkonferenz in Innsbruck sollen diesen politischen Diskurs fortführen. Was erwarten Sie sich konkret von der Konferenz?


In Zusammenarbeit mit unseren Innsbrucker Partnern vom Management Zentrum konnten wir diese Tagung als einen europäischen Meetingplace für die Technologie der Biomassevergasung etablieren. Das ist wichtig, weil in Europa vor allem in Großtechnologie gedacht wird und wir mit den vielen Anbietern kleinerer Anlagen für die dezentrale Wärme- und Stromerzeugung zeigen können, was jenseits der Großstädte und was wirklich funktioniert. Wir brauchen eine kommunale Wärmewende, die wegen des effizienten Klimaschutzes auf Wärmenetzen aufgebaut sein muss und auch eine Alternative zur Gasversorgung bildet. Das werden wir in Innsbruck mit Kommunalvertretern, Energiewirtschaftlern, Klimaschützern und auch Fachleuten der Branche intensiv diskutieren.