25.02.2020 | Brüssel

Interview mit Michael Niederbacher, Vizepräsident der European Biogas Association über die Potenziale von Holzgas und die wichtigsten politischen Entwicklungen 2020.

Herr Niederbacher, Sie engagieren sich als Vizepräsident der European Biogas Association auch für Holzgas. Woher kommt Ihre Begeisterung für dieses Thema?

Das Thema Holzgas hat mich immer schon fasziniert. Ich bin am elterlichen Hof aufgewachsen – da gab es neben der Milchwirtschaft auch die Bewirtschaftung des Waldes als Wärmelieferant. Da war der Gedanke immer schon dabei, diese beiden Ressourcen für die Energiegewinnung gemeinsam zu nutzen. Zudem bin ich der festen Überzeugung dass Biogas und Holzgas, also die biologische und die thermische Vergasung, keine Konkurrenten sind. In einem intelligenten Zusammenspiel können sie viel mehr erreichen!

Aktuell wird Holzgas in erster Linie in der Kraft-Wärme-Kopplung angewendet. Sie meinen aber auch, dass die Produktion von Wasserstoff ein reizvolles Einsatzgebiet sein könnte.

Die Erzeugung von erneuerbarem Strom hat uns durch die verschiedenen Förderprogramme, allen voran durch das EEG, die Möglichkeit gegeben, gute und zuverlässige Technologien zu entwickeln. Dies gilt es nun auszuschöpfen. Der entscheidende Punkt ist, dass die Erzeugung von erneuerbaren Strom von Sonne und Wind mittlerweile in Netzparität geschieht. Davon sind wir mit Biogas und Holzgas weit entfernt. Kleinere Anlagen haben durchaus ihre Berechtigung, wenn Strom und Wärme gleichzeitig genutzt werden können. Größere Anlagen jedoch können mit diesen Marktpreisen in Zukunft nicht mithalten. Und Förderprogramme für erneuerbaren Strom, wie es sie in der Vergangenheit gab, bleiben aus.

Die Alternative?

Die Erzeugung von Wasserstoff zur Verwendung als biogener Treibstoff. Erneuerbarer Wasserstoff aus Biomasse ist dezentral und kann zu 100% aus biogenen Reststoffen erzeugt werden. Auch preislich ist er sehr interessant.

Wen sehen Sie hier als potenzielle Betreiber?

Zum Beispiel die vielen Fernheizwerke im alpinen Raum. Sie haben  allesamt mit sinkenden Wärmeabnahmen der Verbraucher, sinkenden Energiepreisen und mit dem Auslaufen der verschiedenen Förderprogramme zu kämpfen. Für sie könnte sich die dezentrale Produktion von Wasserstoff für die Mobilität als Rettungsanker entwickeln.

Innerhalb der EBA gibt es eine Arbeitsgruppe zum Thema Gasification. Auf welche Themen fokussieren Sie sich im Moment?

Im Green Deal der Europäischen Union sehen wir als EBA die größten Handlungsmöglichkeiten. Aus diesem Grund haben wir verschiedene Arbeitsgruppen ins Leben gerufen. Die AG Gasification geht der Frage nach, wie die realen Stärken der Vergasertechnologien sichtbar gemacht und die wirtschaftlichen Potenziale gesteigert werden können.

Wer ist bisher an der AG Gasification beteiligt?

In der Arbeitsgruppe sind neben Herstellerfirmen und Projektentwicklern interessanterweise auch einige TSO’s und DSO‘s also Transport- und Verteilerunternehmen der Gasindustrie vertreten. Diese sehen ein großes Potential in der Herstellung von Wasserstoff aus Biomasse und möchten dieses auch fördern. Es finden sich auch einige Fachverbände aus verschiedenen Ländern, welche sich schon seit Jahren dafür einsetzen, dass die Wasserstoff- und Biomethanerzeugung aus holzartiger Biomasse an Bedeutung gewinnt. Wir wollen die Vergasertechnologie und deren Vorteile und künftigen Potentiale in ein besseres Licht rücken. Hierfür stellen wir die Vorzüge der biologischen Kreislaufwirtschaft in den Vordergrund.

Generell sieht sich die EBA als politische Interessensvertretung auf europäischer Ebene. Welche Gesetzesvorhaben sehen Sie dieses Jahr auf uns als Holzgas-Branche zukommen?

Im Zuge des Green Deals der Europäischen Kommission ist es für unsere Branche entscheidend, die Potentiale der verschiedenen Technologien aufzuzeigen. Blickt man darüber hinaus auf das „Gas package”/”Decarbonisation Package”, so ist von entscheidender Bedeutung, in den Sektoren Elektrizität, Gas und Wärme intelligente und effiziente Wege aufzuzeigen, wie eine Dekarbonisierung bis zum Jahr 2050 erfolgen kann. In der „Roadmap-New circular economy action plan“ und im „Climate law/Roadmap-legislative proposal” wird die EU Vorgaben für die Dekarbonisierung schlussendlich festschreiben. Das Gesetz wird zudem Regeln festlegen, wie öffentliche und private Investitionen an Klimaziele angepasst werden können. Schlussendlich werden Mechanismen erarbeitet, die den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2030 um über 50 % reduzieren sollen.

Das Jahr 2020 wird also politisch sehr spannend. Ihr wichtigstes Ziel?

Die erneuerbaren Gase sollen im New Green Deal eine entscheidende Rolle spielen. Dafür setzen wir uns in Brüssel mit aller Kraft ein.

Vielen Dank für das Gespräch!