Für die kohlenstoffreichen Nebenprodukte der Vergasung, die sogenannten Vergaserkokse, sind eine Reihe verschiedener Einsatzmöglichkeiten denkbar. Vergaserkokse sind rechtlich jedoch sehr häufig ein Abfall. Um einen Überblick über die Eigenschaften poten­ziell verfügbarer Vergaserkokse zu erlangen und Nutzungsoptionen bzw. Handlungsempfehlungen für die Nachbehandlung oder die ggf. notwendige Entsorgung abzuleiten, erfolgt Rahmen des Projektes VergaFlex ein Screening der Vergaserkoksqua­litäten. Die Erkenntnisse werden aus zwei Phasen gewonnen:

  • Phase 1: Entwicklung einer Methode für die Analyse von Vergaserkoksen. Verwendung von sechs Vergaserkoksen unterschiedlicher Vergasungs­technologien. Dabei ging vor allem um die valide Bestim­mung des PAK-Gehaltes.
  • Phase 2: Anwendung der entwickelten Analysemetho­den auf eine Vielzahl verschiedener Vergaserkokse. Dabei sollen auch Erkenntnisse zum Einfluss der einge­setzten Rohmaterialien, der angewandten Betriebs­parameter sowie der Vergasungstech­no­logie gewon­nen werden.

Tabelle 1: Eckdaten und Brennstoffe zu den ausgewählten Vergasungstechnologien für Phase 1und wesentliche Eigenschaften der Vergaserkokse

 Tab1

Die Proben aus Phase 1 sind inzwischen analysiert (Tabelle 2). Um die Analyseergebnisse einordnen zu können, haben wir die Vorgaben dieser Verordnungen hinzugezogen:

  • Bodenschutzverordnung
  • Düngemittelverordnung
  • Abfallverordnung
  • Deponieverordnung
  • Vorgaben der Euro­päischen Pflanzenkohle­zertifizierung hinsichtlich des Schadstoffgehaltes (Schwermetalle und PAK)

Das Ergebnis: Keiner der Vergaserkokse konnte alle Kriterien der EBC-Zertifizierung erfüllen.

Das lag zum einen an den zum Teil sehr hohen PAK-Gehalten, die lediglich bei zwei Vergaserkoksen nur knapp über den geforderten Grenzwerten der EBC-Zertifizierung von 12 mg/kgTS lagen; ansonsten lagen die Werte zwischen 2600 mg/kgTS und fast 10.000 mg/kgTS.

Noch höhere Anforderungen in Zukunft: Mit der EU-Verordnung 2019/1009 wird voraussichtlich ein PAK-Grenzwert von 6 mg/kgTS eingeführt.

Das EBC wird diesen Grenzwert übernehmen, um die Konformität mit der EU-Regulierung wahren zu können. Damit steigen die Anforderungen an Vergaserkokse. Jedoch enthält der Entwurf des Rechtsakts noch keine Regelung der zulässigen Analyseverfahren. Damit könnten PAK-Gehalte unterschätzt werden, wodurch ein Wettbewerbsnachteil für Vergaserkoksproduzenten erwachsen würde, die ihre PAK-Gehalte nach Stand des Wissens mit der Toluol-Heißextraktion bestimmen lassen. Aber auch die Grenzwerte bezüglich des Schwermetallgehalts wurden nur in einem Fall alle eingehalten. Bei den anderen fünf Proben wurde mindestens ein Schwermetallgrenzwert überschritten, wobei bei guter Qualität der eingesetzten Rohmaterialien (kein Altholz/Abbruchholz) nur der Cadmiumgehalt überschritten wird.

 

Tab2

 

Tabelle 2 Ausgewählte Analyseergebnisse für die Vergaserkokse aus Phase 1

* Grenzwert für gefährlichen Abfall nach AVV: 1000 mg/kg (je PAK-Komponente); k.V.: keine Vorgabe; TM: Trockenmasse

 

Wie geht es weiter? Das Forschungsprojekt VergaFlex befindet sich aktuell in Phase 2. Hier werden über 50 weitere Proben untersucht.

Ziel ist es herauszufinden, welche Verwertungsoptionen es für Vergaserkoks gibt.

 


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   Kontakt: Kristina Hermann, FEE, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!