17.08.2020 | Regensburg

Seit 2019 produziert die ENTRENCO GmbH Holzgas-KWK-Anlagen. Die beiden Geschäftsführer stellen der FEE ihr Konzept vor.

 

Sehr geehrter Herr Cramm, sehr geehrter Herr Dr. Knolle, in der Holzgasbranche ist vielen der Name Entrade ein Begriff. Welcher Bezug besteht zu Ihrem Unternehmen ENTRENCO?

Die Firma Entrade AG hatte wettbewerbsfähige Holzgas-BHKWs entwickelt und rund 140 Anlagen in Betrieb genommen. Darüber hinaus wurde in Zusammenarbeit mit Schneider Electric, einem marktführenden Unternehmen, eine hochentwickelte Fernwartung installiert.

 

Dennoch musste Entrade 2018 Insolvenz anmelden. Wie kam es dazu?

An der Technik hat es nicht gelegen. Die Gründe lagen beim schlechten Projektemanagement und der unzureichenden Finanzierung.

 

Wie ging es weiter?

Der Hauptfinanzier vertraute der Technologie und sah das langfristige Potenzial der Firma. Also ließ er sich als Sicherheit für sein Darlehen die immateriellen Vermögensgegenstände (Patente, Markenrechte, Gebrauchsmuster, Verfahren) dinglich verpfänden. Die wesentlichen Güter des Anlagevermögens und Umlaufvermögens gehörten auch dazu.

 

War das der Ausgangspunkt für die Gründung von ENTRENCO?

In der Tat waren zur Neugründung der Firma ENTRENCO Anfang 2019 günstige Voraussetzungen gegeben: die besten Mitarbeiter, alle betriebsnotwendigen Vermögensgegenstände und eine solide Finanzierung. Wir beiden wurden als Geschäftsführer verpflichtet: Egbert Freiherr von Cramm für Vertrieb und Finanzen und Dr. Burghard Knolle für den Bereich Technik. Wir bringen ein breites Erfahrungsspektrum als Berater, Manager und Unternehmer aus relevanten Branchen mit. Gemeinsam haben wir bereits mehrere High-Tech-Unternehmen zum Erfolg geführt.

 

Wie zufrieden sind Sie mit der bisherigen Entwicklung?

Sehr! Das Unternehmen entwickelt sich in jedem Fall positiv. Das zeigen die zahlreichen Anbahnungen in verschiedenen Märkten. Unsere Strategie ist, uns auf unsere Kernkompetenzen zu fokussieren. Das sind Entwicklung und Vertriebskoordination, Engineering und Monitoring. Für die anderen Funktionen, wie Produktion, Auslandsvertrieb und Service, beauftragen wir kompetente Partner in den jeweiligen Märkten.

 

Wenn Sie auf verschiedenen Märkten unterwegs sind – an welchen Standorten finden wir Sie?

Gegenwärtig hat ENTRENCO drei Standorte: Regensburg (Hauptquartier), Eching bei München (Entwicklung) und Neuss (Finanzen und Administration). Die erste Auslandsgesellschaft, Arensis Japan, hat ihren Sitz in Tokio.

 

In welchem Leistungsspektrum befinden sich Ihre Anlagen?

ENTRENCO vertreibt derzeit BHKWs für Holz-Pellets und Holz-Hackschnitzel, im Leistungsbereich zwischen 25 und 50 kWel. Diese können auch zu größeren Kapazitäten bis zu 2 MW kombiniert werden. Durch die kompakte Bauweise passt bei uns eine komplette 50 kWel Einheit in einen 20 Fuß Container, was für viele Anwendungen vorteilhaft ist. Für die gesamte Prozesskette vom Baumstamm bis zu Wärme- oder Kälte-Anwendungen oder dezentraler Trinkwassererzeugung bieten wir erprobte Lösungen an.

 

Bei den Brennstoffen setzen Sie auf Holzhackschnitzel?

Nicht nur. Unser Anspruch ist es, Holzbrennstoffe, die über ein relativ breites Eigenschaftsspektrum verfügen, mit einer hoher Prozessstabilität zu verarbeiten. Dies betrifft nicht nur den Feuchtigkeitsgrad bei Hackschnitzeln, sondern auch die Holzarten. Bei Vergleichstests in Japan hatte ENTRENCO den niedrigsten Teergehalt und die geringste Schlacke-Bildung mehrerer Wettbewerber. Die fortlaufende Steigerung der Prozessstabilität hinsichtlich der unvermeidbaren Schwankungen der Brennstoffeigenschaften ist eines unserer Entwicklungsziele. Darüber hinaus arbeiten wir intensiv an einer Ausweitung des Brennstoffspektrums auf biogene Reststoffe, entweder pur oder in Kombination mit Holz in Form von Pellets. Hier kommen alternative technische Lösungen zum Einsatz.

 

Deutschland hat als Absatzmarkt in den letzten Jahren sehr gelitten. Sehen Sie hier für sich Perspektiven?

Durchaus. In der Tat hat Deutschland bei der Förderung erneuerbarer Energien sehr stark auf Biogas, Wind und Solar gesetzt. Nachdem Biogas hinsichtlich der Diskussion „Strom gegen Teller“ stark in die Kritik geraten ist, und Atom- und Kohleverstromung Auslaufmodelle sind, bleibt die Holzvergasung als eine der wenigen kontinuierlich verfügbaren erneuerbaren Energieerzeugungsarten. Darüber hinaus sind die Rohstoffpreise für Holzhackschnitzel dramatisch gesunken, da der Borkenkäfer und warme Sommer in der Forstwirtschaft unvorstellbare Schäden angerichtet haben. Zu Beginn des nächsten Jahres wird es eine CO2-Abgabe nach dem Bundes-Emissions-Handelsgesetz geben. Dies wird die relative Preiswürdigkeit von Holz als Energieträger signifikant verbessern, insofern sehen wir strukturelle Marktverbesserungen in Deutschland und Österreich.

 

Sie haben bereits zweimal Japan erwähnt. Das heißt, Sie sind auf diesem Markt bereits aktiv?

Japan ist für uns sehr wichtig. Der japanische Markt wird durch eine sehr langfristige und überlegte Regierungspolitik gezielt entwickelt und bietet viele gewinnbringende Möglichkeiten für Holz-BHKWs. Jedoch wird es noch einige Jahre dauern, bis Japan sein volles Potential für BHKWs entfaltet hat. Die Forst-Infrastruktur ist noch stark rückständig – das schränkt die Verfügbarkeit von Holzpellets und Hackschnitzeln stark ein.

 

Sie setzen auch auf das Thema Pflanzenkohle. Welche Chancen sehen Sie in diesem Bereich?

Der Fokus auf Pflanzenkohle ist Markt-getrieben. Die „Vergaserasche“ (Karbonisate), die bei der Filterung des Produktgases anfällt, ist in ihrer jetzigen Form als toxischer Sondermüll klassifiziert. Das schafft ein kostenintensives Entsorgungsproblem und nimmt dem Pflanzenkohle-BHKW den grünen Touch. Durch unser patentiertes Verfahren wird „Vergaserasche“ in wertvolle Pflanzenkohle umgewandelt. Diese wird aufgrund zahlreicher nützlicher Anwendungen stark nachgefragt. Dadurch entsteht für den BHKW-Betreiber statt der Entsorgungskosten eine zusätzliche Einnahmequelle. Das reduziert wiederum wesentlich die Amortisationszeit der Anlage. Das Pflanzenkohle-Modul kann mit einer neuen Anlage sowie zur Nachrüstung einer bestehenden Anlage geliefert werden.

 

Herr Cramm, Herr Dr. Knolle, wir bedanken uns für das Gespräch.