20.08.2020 | Berlin

Bioenergie ist der Lastenträger unter den Erneuerbaren Energien. Übergreifend über die Sektoren Strom, Wärme und Verkehr produziert sie die meiste Erneuerbare Energie.

Der Branche ist bewusst, dass die Bundesregierung um die künftige Rolle der Bioenergie ringt. Umso wichtiger ist es, dass zwei Entscheidungen bereits erfolgt sind: Mit dem Klimaschutzprogramm 2030 hat sich die Bundesregierung darauf festgelegt, den Anteil der Erneuerbaren Energie am Brutto-Stromverbrauch bis zum Jahr 2030 auf 65 Prozent zu erhöhen. Zudem hat sie sich politisch dazu bekannt, die Stromerzeugung aus Biomasse auf heutigem Niveau fortzuführen.

Damit dieses Ziel Realität wird, schlagen wir vor, das EEG in verschiedenen Punkten weiterzuentwickeln. So sollten auch technisch-ausgereifte Holzgas-KWK-Anlagen adressiert werden. Diese verfügen durch die gleichzeitige Produktion von Wärme und Strom über einen besonders hohen Effizienzgrad – ein wichtiges Kriterium für Klimaschutz. Die meisten Betreiber befinden sich im ländlichen Raum und nutzen Brennstoffe aus der Region – damit ist Holzgas gerade für die regionale Energiewende wichtig.

Kurz zur Orientierung: So wird der Strom aus Holzgas-KWK-Anlagen nach dem EEG 2017 vergütet:

•  Anlagen kleiner 100 kWel              Festvergütung 
•  Anlagen von 100 – 150 kWel  Marktprämie in der Direktvermarktung
•  Anlagen größer 150 kWel  Ausschreibungssystem

 

1. Ausschreibungen: Förderhöhe

Zur Vergütung über das Ausschreibungssystem schlagen wir folgende Weiterentwicklungen vor:

EEG 2017

Vorschlag für das EEG 2020

  • Anlagen > 150 kWel
  • Gebotshöchstwerte
    Neuanlagen: 14,43 ct/kWh
    Bestandsanlagen: 16,39 ct/kWh 
  • Festlegung der Anlagengröße auf ≥ 200 kWel
  • Angleichung der Gebotshöchstwerte bei
    Neu- und Bestandsanlagen auf 19,39 ct/kWh 

 

Begründung

Holzgas-KWK-Anlagen sind eine perfekte Lösung für kleinere und mittlere Betriebe, wie zum Beispiel Holzsäge-werke oder Hotels. Diese nutzen Holzhackschnitzel aus Restholz oder Holzpellets aus der regionalen Forstwirtschaft. Ihre Anlagen haben meist eine Leistung unter 1 MWel. Durch beide Faktoren sind die Betreiber mit höheren spezifischen Investitions- und Brennstoffkosten konfrontiert. Mit einem Gebotshöchstwert von 19,39 Cent/kWh werden sie konkurrenzfähig.

Darüber hinaus schlagen wir eine Angleichung der Gebotshöchstwerte für Neu- und Bestandsanlagen vor. So entgeht man dem Widerspruch, im Einzelfall den Zuschlag an teurere Bestandsanlagen, anstatt an günstigere Neuanlagen zu vergeben.

 

2. Ausschreibungsdesign

Die Vorinvestitionen für die Teilnahme an einer Ausschreibung liegen für einen Betreiber im sechsstelligen Bereich. Grund ist die notwendige BImSch-Genehmigung. Sie erfordert unter anderem eine Entwurfsplanung, Genehmigungsplanung und Bauplanung, Gutachten für Luftreinhaltung und Schallschutz sowie gegebenenfalls eine Umweltverträglichkeitsprüfung. Nicht minder herausfordernd ist die Forderung, 18 Monate nach Zuschlagserteilung die Inbetriebnahme durchzuführen. Für einen Anlagenbau, bei dem oft auch ein Wärmenetz aufgebaut werden muss, ist das nicht leistbar.

Vorschlag

  • Die maximale Realisierungsfrist für Neuanlagen sollte auf mindestens 36 Monate verlängert werden.
  • Die Präqualifikationsbedingungen sollten insoweit verändert werden, als das nur die grundsätzliche Genehmigungsfähigkeit am betreffenden Standort zu prüfen und – ähnlich einer Bauvoranfrage – zu bestätigen ist.

 

3. Marktprämie: Förderhöhe und Volumen

EEG 2017

Vorschlag für das EEG 2020

  • Anlagen von 100 – 150 kWel
  • Anzulegender Wert (Oktober 2017):
    13,19 ct/kWh
  • Festlegung der Anlagengröße auf 100 – 200 kWel
  • Steigerung des anzulegenden Wertes auf
    19,39 ct/kWh – also das gleiche Niveau wie der von
    uns vorgeschlagene Gebotshöchstwert für
    Ausschreibungen

 

Begründung

Die Sicherung des kostendeckenden Betriebs durch eine Marktprämie von 19,39 Cent/kWh mag zunächst drastisch erscheinen. Der entscheidende Punkt ist: Durch die Limitierung auf Anlagen bis zu 200 kWel wird ein begrenztes Marktsegment angesprochen. Wir rechnen mit der Realisierung von 50 Holzgas-KWK-Anlagen im Jahr, was ein Volumen von maximal 10 MW bedeutet. In dieser Größenordnung hat die Erhöhung der Markprämie keinen Einfluss auf das EEG-Umlagenkonto. Dafür gibt es einen positiven Effekt für die Anlagenhersteller: Es können von deutschen Unternehmen wieder Anlagen auf dem Heimatmarkt verkauft, Investitionen getätigt und Arbeitsplätze erhalten werden.

 

4. Eigenverbrauch und EEG-Umlage

Bisher sind beim Eigenverbrauch nur Erneuerbare Energien-Anlagen bis zu einer Größe von 10 kWel von der EEG-Umlage befreit. Diese harte Grenzziehung führt zu starken Verzerrungseffekten. Während sich Anlagenbetreiber auf 9,99 kWel-Anlagen kaprizieren, geht der Markt für Anlagen im Spektrum von 10 – 30 kWel fast vollständig verloren.

Vorschlag

Die beschriebene Bagatellgrenze sollte auf 30 kWel erhöht werden. Damit könnten gerade Kleinbetriebe im Bereich der Holz- und Tourismuswirtschaft in die Produktion Erneuerbarer Energien einsteigen. Um weitere Marktsegmente erschließen zu können, wäre eine fließende Bagatellgrenze sinnvoll:

 

Anlagengröße 

Höhe der EEG-Umlage

31 – 40 kWel

Analog zu einer Anlage mit 20 kWel 

41 – 50 kWel

Analog zu einer Anlage mit 30 kWel

 

 

5. Regionalisierung der Bioenergie-Förderung

Die stärkste Nachfrage nach Holzgas gibt es im Süden Deutschlands. Die Grundlage hierfür ist die hohe Verfügbarkeit von Holzpellets und Hackschnitzeln. Diese Nachfrage passt zum Bedarf an erneuerbarem Strom, welcher in Bayern und Baden-Württemberg eben nicht immer durch den Windstrom aus dem Norden gedeckt werden kann. Aus dieser Perspektive heraus ist es sinnvoll, eine regional-spezifische Förderung Erneuerbarer Energien im EEG zu verankern.

 

6. Abschaffung des Verbots zur Eigenstromnutzung

Beziehen Anlagenbetreiber eine Stromvergütung auf Basis des Ausschreibungssystems, dürfen sie den erzeugten Strom im gesamten Vergütungszeitraum nicht zur Eigenversorgung nutzen. Ausgenommen sind  Neben- oder Hilfsanlagen, wobei sich gerade in Bezug auf die Brennstoffaufbereitung ein gewisser Graubereich eröffnet. Um dem Risiko zu entgehen, die EEG-Vergütung aufgrund einer falschen Verwendung gänzlich zu verlieren, meiden Betreiber die Eigenstromnutzung.

Vorschlag

Da im EEG 2017 bereits eine Höchstbemessungsleistung definiert ist, besteht kein Risiko, dass Betreiber mehr als 50 Prozent ihrer installierten Leistung für die Eigenversorgung nutzen. Aufbauend auf dieses Sicherheitsnetz sollte das Verbot zur Eigenstromnutzung gänzlich abgeschafft werden.

 

7. Nutzung von Restbiomasse stärken

Schon bevor es zu einer größeren Brennstoff-Debatte in der breiten Öffentlichkeit kam, hat die Holzenergiebranche die Verwertung von Restbiomasse vorangetrieben. Dieser Weg sollte im EEG unterstützt werden.

Vorschlag

Der Einsatz von Restbiomassen sollte gezielt angereizt werden. Die Holzgas-KWK-Technik besitzt vor allem in der Verwertung minderwertiger Biomassen, wie zum Beispiel Altholz, Kalamitätsholz und Landschaftspflegematerial ein großes Potential. Die Entwicklung und der Betrieb dieser umfangreicheren Anlagentechnik sollten sich in einer höheren Vergütung wiederspiegeln. Konkret schlagen wir einen Technologiebonus vor. Diese Unterstützung soll eine Anschubwirkung entfalten und sollte bis zum 31. Dezember 2025 befristet sein.


 

Steckbrief Holzgas: Strom und Wärme aus einer Hand

Betreiber: Vom Landwirt mit Viehzucht über Betreiber von Wellnesshotels und öffentlichen Schwimmbädern bis zu Sägewerksbetreibern nutzen die verschiedensten Unternehmer die Holzgas-Technologie für sich.

Funktionsweise: Anders als bei Biogasanlagen wird die verholzte Biomasse in Holzgas-Anlagen bei hohen Temperaturen chemisch zerlegt. Und im Gegensatz zur Verbrennung im Holzkessel zielt die Vergasung darauf ab, ein
energiereiches Gasgemisch als Zwischenprodukt zu erhalten. Dieses wird als Brenngas in Motoren eingesetzt, die wiederum Generatoren betreiben. So wird aus trockener Biomasse dezentral Strom und Wärme produziert.

Leistungsgrößen: Einzelanlagen von 9 bis 600 kWel. Durch modulare Bauweise entstehen Anlagen mit einer Leistungsgröße von 2 MW und größer.

Brennstoffe: Holzhackschnitzel und Pellets, wobei zunehmend Rest- und Altholz verwertet werden können.

Verbreitung in Deutschland

  • Anzahl der Holzgas-KWK-Anlagen Deutschland im Jahr 2019: 433
  • Installierte elektrische Leistung: 40 MW
  • Installierte thermische Leistung: 74 MW

Marktsituation: In Deutschland gibt es eine Reihe an klein- und mittelständischen Unternehmen, die Holzgas-KWK-Anlagen produzieren:  BR Green GmbH, Burkhardt GmbH, Holzenergie Wegscheid GmbH, LiPRO Energy GmbH & Co. KG, ReGaWatt GmbH, Spanner Re2 GmbH u.a. Auch die Stadtwerke Rosenheim gehören als Energieversorger zu den Anlagenproduzenten. Aufgrund der schwierigen Marktsituation in Deutschland werden inzwischen jedes Jahr 87 Prozent der produzierten Anlagen ins Ausland geliefert.

Klimaschutz: Im Vergleich zu Anlagen auf Basis von Erdgas und Erdöl sparen Holzgas-KWK-Anlagen nachweislich 90 Prozent der Treibhausgase ein. Das basiert auch auf dem hohen Effizienzgrad, der aus der gleichzeitigen Produktion von Wärme und Strom resultiert. Anlagenhersteller wie Betreiber fühlen sich den Zielen des Pariser Klimaschutzabkommens verpflichtet.