Berlin | 25.08.2020

Wie ist eine konsistente Klimaschutz- und Energiepolitik möglich? Der ForschungsVerbund Erneuerbare Energien sieht die Bioenergie als Schlüsselfaktor. Die in Europa beispiellose Gemeinschaft von 15 renommierten Forschungsinstituten aller Branchen der Erneuerbaren Energien weist darauf hin: Aktuell stammen rund 60 % der erneuerbaren Energien in Deutschland aus der energetischen Nutzung von Biomasse. Vor allem die regenerative Erzeugung von Wärme und Kraftstoffen wird derzeit weitgehend durch biogene Energieträger gedeckt. Bioenergie ist folglich entscheidend für Sektorenkopplung und erfolgreichen Wandel des Energiesystems. Der FVWW plädiert nachdrücklich dafür, Bioenergieträger sektorenübergreifend optimal zu nutzen. Die FEE unterstützt diese Argumentation, vor allem was den umfassenden Abbau von Subventionen für fossile Energieträger angeht. Hier müssen Ermäßigungen, Ausnahmen und Spitzenausgleiche bei Strom- und Energiesteuer oder Diesel in den Blick genommen werden. 

 

„Es gibt weitere entscheidende Aspekte, die für einen Ausbau der Bioenergie in der Europäischen Union sprechen“, so Eberhard Oettel, Leiter Technologietransfer und internationale Zusammenarbeit bei der FEE. Er arbeitet folgende Punkte heraus:

 

  • Agrarökonomische Vorteile der Bioenergie mit Auswirkung auf die gesamte EU

Bioenergie schafft Stabilität in der Landwirtschaft und ist für bäuerliche Einkommen im Unterschied zu Wetter und Warenbörsen ein fester und planbarer Faktor.

  • Beschäftigungspolitische Potenziale

Diese werden auch bei der wirtschaftlichen Erholung von der Coronakrise wirksam. Bioenergie ist die Erneuerbare Energie mit dem höchsten und dauerhaften Beschäftigungseffekt während des Anlagenbetriebs. Das hängt mit der Aufbereitung der Biomasse als Einsatzstoff für jedwede Konversion zusammen. Genau das verlangt den Ausgleich der damit verbundenen Grenzkosten.

  • Innovationsstrategische Ansätze

Diese werden über das Gelingen der Klima-, Energie-, Wasser-, Boden- und Ernährungswende entscheiden. Bioenergie reicht von der Verwertung von Algen über Agro-Photovoltaik, gesunde Baustoffe, Biomethanisierung bis zur biophysiko-chemischen Sektorenkopplung wie der Wasserstoffnutzung. Und damit ist immer noch nicht alles erfasst.

  • Regionalwirtschaftliche Vorteile für das Leben im ländlichen Raum

Dabei ist integrierte Bioenergie nicht nur im ländlichen Raum der effiziente Problemlöser. Integrierte Bioenergie aus dem Umland hilft, die fehlende Lücke für die regenerative Energieversorgung von Städten und Metropolen zu schließen. 

  • Der ökologische Nutzen für die Bewahrung der Lebensgrundlagen

Bioenergie ist ein Kettenglied im gesamten natürlichen Kreislaufprozess vom Anbau bis zur Reststoffverwertung. Damit ist nicht nur den Kohlenstoffkreislauf gemeint. Und nicht zuletzt dient Bioenergie der Resilienz gegen Umwelt- und Klimaschäden.

  • Finanzwissenschaftliche Möglichkeiten zur Mobilisierung individueller und gemeinschaftlicher Wertschöpfung

Bioenergie ist das am wenigsten beackerte Feld für Bürgerfinanzierung mit risikoarmer Gewinnaussicht in Zeiten andauernder Nullzinspolitik. Ebenfalls ein Vorteil: der starke regionale Bindungseffekt bürgerfinanzierter Bioenergieanlagen.  

  • Potenziale von Holzgas und von pflanzenölbasierten Kraftstoffen nutzen

Zusammen mit Biomethan sind das gegenwärtig die einzigen verfügbaren biobasierten Kraftstoffe. Diese Biokraftstoffe und -treibstoffe der ersten Generation haben sich längst im Dauereinsatz in der Kraft-Wärmekopplung und im Transportwesen bewährt. Sie sind noch vor Elektroantrieben im Öffentlichen Nahverkehr, im Schwerlast- und selbst im Luftverkehr die Vorreiter der Transformation. 

Und auch sie bedürfen weiterer Forschung und Entwicklung entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu ihrer weiteren Optimierung. Das gilt besonders für eine objektive sozial-, agrar- und wirtschaftswissenschaftliche Bewertung ihrer Interoperabilität und der ihnen unterstellten Kausalität negativer sozialer Folgen.