1. Dezember 2019

Euphorie und Ungewissheit – beides war auf der diesjährigen Anwenderkonferenz zur Biomassevergasung gut zu beobachten. Rege und kontrovers tauschten sich die 65 Teilnehmer aus Österreich, Italien, Schweiz, Deutschland und den Niederlanden zu den Perspektiven der Branche aus. Geradezu mit Erleichterung wurde wahrgenommen, dass in Deutschland ein CO2-Preis eingeführt wird. Auch wenn die angestrebte Marke von 10 Euro pro Tonne als deutlich zu niedrig angesehen wird. Hoffnungen verbinden die Akteure mit dem Erneuerbare Wärme-Bonus, der ins KWK-Gesetz Einzug finden soll. Mit Unverständnis reagierten sie allerdings darauf, dass ausgerechnet die Biomasse von diesem Bonus ausgenommen werden soll. Ebenfalls im Zentrum des Interesses stand die aktuelle Regierungsfindung in Österreich:  Mit Wohlwollen wurden die Bemühungen kommentiert, eine schwarz-grüne Koalition zu bilden, weil so wirtschaftliche und ökologische Kompetenz vereint werden könnte.

Auch im wissenschaftlichen Bereich ist vieles in Bewegung: Vertreterinnen und Vertreter der TU Wien, des Management Centers Innsbruck und der International Biomass Agency zeigten Forschungsergebnisse u.a. zur Produktion von Kraftstoffen aus Biomasse und Holzvergaserkohle in der Abwasserreinigung.

Während diese Beiträge eher in die Zukunft wiesen, zeigten sechs Betreibervorträge, wie vielfältig der Einsatz von Holzgas-KWK-Anlagen inzwischen ist. Bei der Präsentation dieser Praxisbeispiele kam Hochstimmung auf – die Branche ist stolz darauf, nachweisen zu können, dass sie vom Gewächshaus bis zum Pelletwerk Lösungen für verschiedensten Anforderungen liefern kann.

Besonders im Fokus der Konferenz stand das Thema Biokohle. Von der Technik her werden bereits verschiedene Produktionsverfahren erfolgreich praktiziert, aber ein durchschlagendes Geschäftsmodell ist noch nicht gefunden. Ein Forschungsprojekt unter der Federführung des DBFZ soll standardisierte Analyseverfahren und sinnvolle Produktnormen hervorbringen – die Fördergesellschaft Erneuerbare Energien hat hier bereits ihre Mitgliedsunternehmen eingebunden.

Technisch ist die Branche gereift und präsentiert erfolgreiche Lösungen. Jetzt müssen auch die politischen Rahmenbedingungen stimmen. Die nächsten Monate werden für die Zukunft der thermochemischen Biomassevergasung entscheidend sein.